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Booky McBookface

Booky McBookface
25.November bis 10.Dezember 2017 im 8. Salon

Sehr gute Bücher

hat´s bei der Booky McBookface 2017.

Ein temporärer Buchladen mit Büchern und Zeitschriften zum Blättern und Kaufen von über 30 Verlagen.

Vom 25.November bis zum 10.Dezember im 8.Salon, in der Trommelstraße 7 und am 12.Dezember im Abaton-Kino.

Geöffnet immer Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

Termine

Samstag, 25. November 2017, ab 19 Uhr :

// Galaartiges Opening //

Sonntag, 26. November 2017, ab 19 Uhr :

// Künstlerbücher //

Ein Gespräch mit Mela Dávila-Freire und Merle Radtke. Im Anschluss eine Expressdurchblätterung ausgewählter Bücher, vorgestellt von Jürgen Becker, Dirk Meinzer und Roberto Ohrt.

Mittwoch, 29. November 2017, ab 19 Uhr:

Screening: // lookforwvrd // by exc! Anschließend ein Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern, moderiert von Roman Barkow und One%ofOne.

Samstag, 2. Dezember 2017, ab 19 Uhr:

// militant image // – drei Gespräche zwischen Anpassung und Verweigerung in Zeiten allseitiger Übergeschnapptheit. Sebastian Skabek und Hans Stützer (beide aktiv im Sumpf der Untüchtigen und des dissidentgarden.de) und Gäste.

Sonntag, 3. Dezember 2017, ab 17 Uhr :

// femrep // – feministische Literatur und von Feministinnen ausgewählte Bücher.

Mittwoch, 6. Dezember 2017, ab 16 Uhr :

// Kindertag //

Samstag, 9. Dezember 2017, ab 19 Uhr :

Adnan Softić,  // A Better History / Eine bessere Geschichte //  Buchvorstellung und Film über ein nagelneues antikes Stadtzentrum.

Sonntag, 10. Dezember 2017, 14 bis 19 Uhr :

// Großer Abschluss-Bücherflohmarkt für alle //  (Bitte Tische anmelden bei anna.niebuhr@textem.de)

Dienstag, 12. Dezember 2017, um 19 Uhr :

// Buchbiografien //, ein Film von Heiko Volker, D 2015, 66 Minuten, moderiert von Merle Radtke im Abbaten-Kino, Allendeplatz 3, 20146 Hamburg. (Informationen zum Film im Blog.)

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, interessieren sich auch für die Kunsthalle:

Künstlerbücher – Die Sammlung  1.Dezember 2017 – 2. April 2018

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Gefördert von:

Booky McBookface

11. November bis 21. Dezember 2016

Die Bücherolympiade in den Räumen der Galerie Dorothea Schlueter

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Samstag, 14 bis 18 Uhr

Dorothea Schlueter, Galerie
Große Bäckerstraße 4
20095 Hamburg

Mit Büchern zum Blättern und Kaufen von über 30 Verlagen von A wie Assoziation A bis Z wie Zero Sharp, mit Titeln wie »Von Punk zu NDW« bis »Lego Fanatics«

Veranstaltungen: Jeden Freitag, sogar Sonntag. Genaues Programm unter: www.textem.de oder https://bucholympiade.wordpress.com

vorläufiges Programm:

Freitag, 11. November 2016, 19 Uhr
Eröffnung

Freitag, 18. November 2016, 20 Uhr
Als Albernheit noch half
Gespräch zu Kunst, Literatur und Politik
Robert Jarowoy, Max Schulze, Bettina Sefkow

Sonntag, 27. November, 15.00 Uhr
Comics, Kinder- und Jugendbücher
Mit einem Zeichenworkshop für Kinder von 8 – 14 Jahre und alle anderen, von Jul Gordon und Sascha Hommer

Sonntag, 4. Dezember, 18 Uhr
Korrektur- und Lektoratsworkshop
Mit Wigger Bierma, Gustav Mechlenburg, Stefan Moos und Nora Sdun

Freitag, 9. Dezember, 20 Uhr
Screening Frieda Grafe (Premiere)
Mit Rike Felka und Philipp Goll

Mittwoch, 14. Dezember, 20 Uhr
Nazis und Goldmund
Mit Sandra Gugic und Gerhild Steinbuch

Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr
Spitzdach, Flachdach, Kreisverkehr mit Palmen – Architektur
Mit Sophie-Therese Trenka-Dalton (Textem Verlag), Markus Dorfmüller (Adocs Verlag), dem Magazin Grundlagenforschung für eine linke Praxis in den Geisteswissenschaften zum Thema Architekturen unserer Arbeit und One % of One.

Sonntag, 18. Dezember, 18 Uhr
Von Booktube, Reading-Challenges, Leserunden, Rezensionen, Fünf Sternen und HAULS.
Und: Ein Vortrag zur Geschichte digitaler Textmaschinen mit denen wir zusammen leben wollen.
Mit Ute Nöth und Paul Geisler

Mittwoch, 21. Dezember, 14 Uhr bis 21 Uhr
Großer Ausverkauf

Kommt alle zu Booky McBookface / booky-mc-readface venice of books hamburg / yolo books hamburg / the fookbair / abookalypse now, Hamburg / full bookal jacket / pretty in books / bookbusters / Die Rache der bookheads / Liebling, ich habe die Bücher sortiert / bookmen / boring reading revised / Bleiwüste 2016 / you want pictures / you get books! / Bei Einbruch Dunkelheit / fuck you, i won’t read what you write me / Gustav der Bücherwurm. Eine spannende Geschichte in einem großen Aufklapp-Bilderbuch / Hamburg muss sterben / enemies without books / bookvert (like pervert) / Heinrich Heine, Mors Mors

Booky McBookface wird unterstützt von der Kulturbehörde Hamburg!


6. Oktober 2016 – Donnerstag um 19 Uhr

Das JUZ zeigt zwei Dokumentarvideofilme aus Nordrhein-Westfalen. Die Thesen sind andere, die Ästhetik ähnlich.
Es wird gezeigt:
– “Petermann, geh Du voran!” von Georg Roloff und Stephan Arnold, Köln, 1989
– “Umsonst is dat nie – Arbeiterjugend und Nationalsozialismus” von Volker Hoffmann, Jörg Lange und Dieter Nelles, Wupperthal, 1993.


30. September 2016 – Freitag ab 18 Uhr.

Wegen guter Führung vorzeitig entlassen.
Hartikel und 1%ofONE bei JUZ Hamburg

Hartikel und 1%ofONE laden zu einem gemeinsamen Abend im pragmatischen Jugendzentrum ein. Wir freuen uns euch bei der Veröffentlichung von Hartikel #2 zu sehen und unseren Wikipediaeintrag mit euch zu feiern.

http://hartikel.de/
http://oneofone-verlag.com/


 10. September 2016

Samstag um 15 Uhr, Treffpunkt U-Bahn U1 Ohlstedt.

Eine dynamisch-relaxierte Veranstaltung am Abschlagpunkt der Hansestadt in den Naherholungsblock Wohldorfer Wald/ Duvenstedter Brook.

Können alle reiten, jagen, fischen und haben alle Teilnehmenden Pferd, Hund, Falken, Waffen, Knechte und Dienstmägde, die wir verbrauchen können? Wenn ja, dann denke ich, wäre eine Hirschjagd zu Pferd das Naheliegende, auch Drückjagd auf Sauen oder eine Beizjagd auf Fasan … danach heiteres und entspanntes Marodieren durch Dörfern und Einkaufszentren. Zum Ausklang fröhliches Beisammensein am Lagerfeuer mit der Wahl der Jagdkönigin/Jagdkönig mit Wildbraten, Musik und Tanz. Das kostet etwa mindestens 500.000 €.

Oder hyperreales Hospitieren beim Revierförster Wohldorf: Wir verbringen einige Stunden mit dem Förster und erleben die Qualen eines herzensguten Mannes im Schatten des Wahnsinns im Dickicht des Hamburger Verwaltungsdschungels und treffen vielleicht auch auf Verwaltungsjuristen und BWLer mit Karriereambitionen und Masterplan sowie Exitstrategien, die sich vegan ernähren und den Wald bereits als reale Naturressource im Global Gaming verplant haben.
Danach könnte ich Fair-Organic-Recycelte Hanfstricke zur Verfügung stellen, für alle die genug haben oder Psychopharmaka.

Oder einmal als Walderemit die Nacht verbringen, oder Pilze suchen oder im Duvenstedter Brook bei der Hirschbrunft (ist dann grade) versumpfen oder wir bauen große, hohle Eier, schlüpfen hinein und wieder heraus und erleben ein rebirthing wie ein Vogel und sind dann frei oder oder oder …

Um Anmeldung wird gebeten unter mail@juz-hamburg.de


03. September 2016 – Samstag ab 17 Uhr.

Mist wegschaffen, Heu ranschaffen, ohne dass der Portier was merkt.

Inzwischen waren wir mit der Galerie in ein mächtiges New Yorker Townhouse im Empire-Stil umgezogen. Die Ausstellungsräume befanden sich im ersten Stock und das Büro lag mit dem Fahrstuhl erreichbar auf Dachlevel der umgebenden Gebäude. Die Ausstellung von L. hatte vor Kurzem eröffnet und wir hatten erlaubt, sowohl Galerie als auch Büro in die Ausstellung einzubeziehen, es war ein Dschungel aus geflochtenen Papierarbeiten und Tonnen von Plastikverpackungsmaterial, beide Räume waren schwierig begehbar, als Besucher hatte man seine liebe Not, wieder zum Ausgang zurückzufinden. In der Lobby des Gebäudes, einer großen gekachelten Halle mit Teppichboden, gab es einen Toilettenraum, den ich regelmäßig benutzen musste, weil ich im Wirrwarr der eigenen Räume eher den Ausgang als die firmeneigenen Sanitärräume finden konnte. Zu meinem Kummer war die Toilette aber bewohnt, überall lag Stroh rum und sobald ich versuchte, den Schlafsack zu entfernen, der provokant auf oder vor dem Herrenklo platziert war, erschien jedes Mal ein blonder Hüne, der nicht meine Sprache sprach und mir klar zu verstehen gab, dass das sein Klo war. Alles Argumentieren half nichts, ich blieb auch mit dem Vorsatz, die Verwaltung zu verständigen, jedes Mal stecken. Es kam weder zum Wasserlassen noch zur Beschwerde. Das lag sicherlich zum einen daran, dass ich immer noch glaubte, das Problem irgendwie selber lösen zu können, aber zum anderen gab es ja noch andere Probleme, die zwingend eine Handlung meinerseits verlangten. Schließlich hatte ich diese Herde Mammuts mit ins Gebäude gebracht, die ich hinten im Büro hielt. Es waren vier ausgewachsene Tiere und ein Kalb. Regelmässig fuhr ich die Tiere einzeln mit dem Fahrstuhl auf das Dach, um ihnen eine kurze Frischluftkur zu verpassen. Ansonsten gestaltete sich der Galeriealltag aus Büroarbeit und dem Verteidigen der Büroräume gegen andere Künstler, die irgendwie immer wieder eine Möglichkeit fanden, über Nacht in die Räume zu gelangen … wer zum Teufel hatte eigentlich zusätzliche Schlüssel an wen rausgegeben … und der Stallarbeit: Mist wegschaffen, Heu ranschaffen, ohne dass der Portier was merken konnte. Ich fuhr also ständig mit Schubkarren voller Stallmist mit wirrem Blick zur Stockwerksanzeige Fahrstuhl, ständig in der Angst, irgendwelche Mieter der übrigen Wohn- und Geschäftseinheiten könnten einsteigen. Im Erdgeschoss musste ich dann jeweils kriechend am Pult des Portiers vorbei bzw. hoffen, dass er gerade Pause machte. Meine Besorgnis um die Tiere wuchs in einem Ausmaß, ich konnte mich gar nicht mehr richtig auf die Galeriearbeit konzentrieren. Ich wusste, sie würden aussterben, wenn ich nicht bald eine Lösung fände, irgendwo eine grüne Weide mit stabilen Zäunen. Einem herbeigerufenen befreundeten Veterinär, der behauptete, die Tiere wären viel zu gefährlich, um sie irgendwo hinzustellen, konnte ich zwar beweisen, dass die Tiere zahm wie Lämmer waren: Ich zeigte ihm alle möglichen Kunststücke mit meinem Lieblingsmammut, ließ mich mit dem Rüssel hochheben, legte mich unter sein Vorderbein etc., aber es gab anscheinend keine Lösung für das Weideproblem, also mein städtisches Problem, schließlich wollte ich meine Mammutfamilie nicht verlieren. So blieb mir am Ende nur, die Tiere einzeln, zusätzlich zur Frischluftfahrt auf das Dach, verkleidet in alberne Kostüme, so als wären sie Pappmachee-Figuren für den Karneval, mit der U-Bahn an den Stadtrand zu fahren und sie dort an einem der Kanäle für kurze Zeit grasen zu lassen … an dieser Stelle brach der Traum ab, es lässt sich aber an den letzten Szenen schon feststellen, dass ich kaum mehr Zeit hatte, mich vernünftig der Galeriearbeit zu widmen, da ich aufgrund der notwendigen Pflege der Tiere mehr als den halben Tag mit ihnen zu tun hatte. Meine ständige Abwesenheit mit einem meiner Schützlinge beförderte außerdem den wilden Ateliergebrauch der Galerieräume durch die Künstler mit ihren Schlüsselkopien, das wiederum empfand ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so sehr als Störung. Ich hatte mich vielmehr damit abgefunden, dass im Ausstellungsdschungel von L. überall kleine Lichtungen als Atelierplätze funktionierten und ich mit einem meiner Mammuts am Halfter auf dem Weg zum Fahrstuhl überall an krickelnden, matschenden, Perlen an Schnüren befestigenden, braun gebrannten, nur mit Tüchern bekleideten Gestalten vorbeikam.


Mittwoch 24. August 2016,  um 19 Uhr

Odenthal, Ahmedabad – Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten
Ein Vortrag von Jens Franke

#GoogleStreetview #Internet #Angst #ZahnarztPraxis #Leidensweg #KatharinaGüschen #Hexenverbrennung #WolfgangBosbach #Gandhi #RustikalerCharm #Jugend #Alkoholmissbrauch #Alkoholverbot #Alkoholbeschaffung #MohammedGhulamNabiMalik #Indisch #Improvisation(Frisur) #Friseur #GayBar #Märchenwald(IndoeuropäischeSprachen) #PizzaMumbai #Modernism #BalkrishnaDoshi #LeCorbusier #Affenhaus #Affenfelsen #GottfriedBöhm #Paradies #Brutalism #ZahnDerZeit #NeueIdentitäten #Textilindustrie #TanzendeFontänen #HeidiKlum #NarendraModi #ModernismIsDead #HartmutWurster #ZurückInDieZukunft #Ausblick


21. August 2016 – Sonntag um 20 Uhr
Große Bäckerstraße 4 – Hamburg

Das YUZ zeigt Adam Curtis dreiteiligen Film All Watched Over By Machines Of Loving Grace, OmU, 2011.

I like to think (and
the sooner the better!)
of a cybernetic meadow
where mammals and computers
live together in mutually
programming harmony
like pure water
touching clear sky.

I like to think
(right now please!)
of a cybernetic forest
filled with pines and electronics
where deer stroll peacefully
past computers
as if they were flowers
with spinning blossoms.

I like to think
(it has to be!)
of a cybernetic ecology
where we are free of our labors
and joined back to nature,
returned to our mammal
brothers and sisters,
and all watched over
by machines of loving grace.

– Richard Brautigan


20. Juli 2016 – Mittwoch 18 Uhr.
Street Fighter II Cup 2016
There can only be one Winner.

RYU, a Japanese karateka seeking to hone his skills. E. HONDA, a sumo wrestler from Japan. BLANKA, a beast-like mutant from Brazil who was raised in the jungle. GUILE, a former USAF special forces operative from the United States, seeking to defeat the man who killed his best friend. KEN, Ryu’s rival and former training partner, from the United States. CHUN-LI, a Chinese martial artist who works as an Interpol officer, seeking to avenge her deceased father. ZANGIEF, a pro wrestler from the USSR. DHALISM, a fire breathing yoga master from India.

Das ist eine Veranstaltung der Freunde des Strassenkampfes in Kooperation mit JUZ und 1%ofONE.


17. Juli 2016 – Sonntag ab 17 Uhr.
Release early, release often.

In der Softwareentwicklung gibt es ein verbreitetes gravierendes Problem: Viele Projekte haben weder eine ausreichende Qualität in der Ausführung noch stehen sie in irgendeinem Verhältnis zu einem vorhandenen Bedürfnis. Im schlimmsten Fall handelt es sich um reine Kopfgeburten, die schon im Moment ihrer Veröffentlichung obsolet sind. Zur Vermeidung dieses Problems gibt es einen Grundsatz, welcher lautet: release early, release often. Hierbei geht es darum, Software möglichst früh und unter Umständen noch fehlerbehaftet zu veröffentlichen und auch danach Weiterentwicklungen in kleinen Schritten und kurzen Zeitabständen verfügbar zu machen. Die erhoffte Wirkung ist der dauernde Abgleich des noch jungen Projekts mit anderen Entwicklern und damit sowohl die Sicherstellung einer gewissen handwerklichen Qualität als auch die Anbindung an tatsächlich vorhandene Bedürfnisse.
Dasselbe Problem ist auch im Bereich der Kulturproduktion nicht selten anzutreffen. Die Erzeugnisse dieser Produktion werden alleine oder in kleinen Gruppen in Abgeschiedenheit hergestellt und am Ende als abgeschlossenes, monolithisches Werk dargestellt. Und auch hierbei fehlt oft jegliche Anbindung an ein tatsächliches Bedürfnis. Das Ergebnis ist statisch und unbeweglich, es lässt sich kaum in Zusammenhänge einbinden und verbleibt deshalb esoterisch. Diesem Problem mit der zu Beginn erwähnten Strategie zu begegnen, müsste bedeuten, fragmentarischer Produktion und kollegialen Prozessen einen besonderen Stellenwert zukommen zu lassen. Dadurch wären Strukturen gegeben, die viel mehr produktiv als restriktiv wirken könnten.
Hier soll keine selbstverliebte, schwammige Künstlergruppenarbeit propagiert werden. Am Ende ist von den Produzierenden Präzision und Eindeutigkeit gefordert. Das Ziel muss die Anbindung der künstlerischen Produktion an die Gesellschaft, aus der sie entspringt, sein. Damit soll auf keinen Fall einem neoliberalen Traum der absoluten Möglichkeit und der vollkommenen Aushöhlung aller Lebensbereiche durch Arbeit in die Hände gespielt werden. Es handelt sich hierbei eben nicht um einen Lebensstil, sondern um einen Modus der Produktion.
Also geht es hier um die Produzierenden und um ihren alltäglichen Umgang mit den ihrem Feld immanenten Sachverhalten. Es geht eben nicht darum, ein makelloses kulturelles Produkt abzuliefen, sondern verwandte Ideen in einem beweglichen System zu verbinden und verfügbar zu machen.


3. Juli 16 – Sonntag ab 15 Uhr.
VON MARX LERNEN, ein Workshop.
Brandmalerei auf Baseballschlägern.
Für Anfänger/innen und Fortgeschrittene

!Um Anmeldung wird gebeten!

Beitrag: 19,99 €
12 – 15 Teilnehmende
Kursnummer: 001JUZHH
So. 15:00 – 21:15, 6.25 UStd.
Anmeldung unter: mail(at)juz-hamburg.de
Leitung: Stefan Marx
JUZ/Hamburg

Anfänger/innen erlernen die Grundtechniken der Brandmalerei. Fortgeschrittene lernen individuell weiterführende Techniken, u. a. nach eigenen Entwürfen. Der Brandmalereikurs vermittelt die kreative und handwerkliche Ausführung von Verziehrungen auf Baseballschlägern. Es gibt künstlerische Anregungen zu eigenen materialgerechten Entwürfen und fachliche Betreuung bei der Umsetzung der individuellen Schläger. In allen Kursen arbeiten Anfänger/innen und Fortgeschrittene zusammen. Die Umsetzung eines Schlägers als Gruppenarbeit ist möglich.

!Um Anmeldung wird gebeten!


 8. Juni – Mittwoch ab 20 Uhr.
Einführung in die Analytische Philosophie.– Sprachphilosophie
– Formale Logik
– Aussagenlogik
– Prädikatenlogik
– Modallogik
– Fuzzylogik
– Philosophie der normalen Sprache
– Sprechakttheorie
– Sozialontologie
– Lüge, Ironie, Metapher
– deskriptive Metaphysik
– Metaphysik der Eigenschaften
– fiktive Gegenstände
– abstrakte Gegenstände
– Aboutness
– Grounding- Philosophie des Geistes
– Leib-Seele-Problem
– Dualismus
– Monismus
-Neuer Mystizismus
– Externalismus/Internalismus
– Naturalismus
– Qualia
– Intentionalität- Ethik
– Normative Ethik
– Angewandte Ethik
– Meta-Ethik
– Handlungstheorie- Ästhetik
– ???

5. Juni – Sonntag ab 17 Uhr.

Die Konstruiertheit menschlicher Identität gilt für die physische wie für die virtuelle Welt. Es ist Unsinn dazwischen einen qualitativen Unterschied zu machen.

Im Alltag haben wir so viele Identitäten, wie wir Sprachen und Erscheinungen haben. Im Gespräch mit der Mutter, der Vorgesetzten oder dem guten Freund, frühmorgens beim Bäcker oder nachts im Zwielicht, unsere Formulierungen und äußeren Erscheinungen unterscheiden sich fundamental, je nachdem, wie wir uns präsentieren wollen, uns aus Zwängen präsentieren müssen und was uns als angemessenes oder einzig mögliches Verhalten erscheint. Wir wechseln unsere Verhaltensweisen und Erscheinungen dauernd und meist sehr effizient, oft bedienen wir sogar mehrere gleichzeitig. Unter all diesen Versionen unseres Selbstbildes gibt es kein ursprüngliches Bild, keine Variante, die in besonderer Beziehung zu einem etwaigen Kern stehen würde. Natürlich gibt es Abbildungen, die wir lieber verkörpern als andere, am Ende sind jedoch ausnahmslos alle aus einer praktischen Notwendigkeit entstanden, als Antwort auf eine bestimmte Rolle, die wir einnehmen wollten oder mussten. Diese Identitäten bilden zusammen keine Pyramide, an deren Spitze die einzig wahre Identität stünde, sondern ein flaches Netz. Und dieses Netz ist groß, beweglich und erweiterbar. Was wir im Moment erleben, ist die starke Erweiterung unserer möglichen Verhaltensweisen durch Erschaffung digitaler Selbstbilder, hier vervielfachen sich die Möglichkeiten unserer Identifikation: Wir können Level 80 Magier, Tinderprofil (gerne mehrere) und Furry sein. Aber auch hier befindet sich keine Identität näher an der Wahrheit als eine beliebig andere. Jede Erscheinung ist ihre eigene Wahrheit in ihrem eigenen Zusammenhang. Und so kann es nicht darum gehen, Zeit zu verschwenden mit der vergeblichen Suche nach der einzig richtigen Erscheinung hinter den tausend anderen, sondern sich den möglichen Formen zu ermächtigen, also die Ambivalenz und den Widerspruch als letzten schützenswerten Sachverhalt der Menschen zu behandeln und ihn schlussendlich als Vorteil gegen jede Form von Regulierbarkeit zu akzeptieren.


22. Mai 2016

Sonntag ab 17 Uhr

Die physische und die virtuelle Welt sind beide künstlich, deshalb gleichermaßen real.Wenn wir davon ausgehen, dass das, was für einen Menschen die Welt konstituiert, ein relativ zufälliger Haufen von erlernten Techniken, Erfahrungen und Ängsten ist, und es somit keine gemeinsam geteilte wahre Welt geben kann, dann ist jede einzelne und individuell erfahrene Welt, ob physisch aus Stein und Beton oder virtuell in Spielen, Büchern oder Werkzeugen wie Google Street View, Realität. Die aus Datenschutzgründen unkenntlich gemachten Straßenzüge werden zur Ansicht einer Stadt. Für all die vielen Aussortierten, deren Urlaub in die Toskana wie jedes Jahr ausfällt, erschließt sich die Welt außerhalb ihrer eigenen Stadt auch auf diese Weise.
Keine einzige dieser vielen Welten kann sich jedoch selbst genügen. Sie bedingen einander, zerstören sich gegenseitig und erschaffen sich neu.
Eine Hoffnung ist, dass an dem einen Tag, an dem die Aussortierten die physischen Städten aus Stein und Beton an sich bringen, die Realitäten auf der manifesten Straße für einen kurzen Augenblick mit einem Knall zusammenschmelzen.
Und durch einen Knall, das sagt uns die Wissenschaft, entsteht manchmal neues Leben.

8. Mai 2016
Sonntag ab 17 Uhr

Das Computerspiel wird innerhalb der nächsten 15 Jahre alle anderen Kulturerzeugnisse ersetzt haben.

Das Computerspiel weist drei wichtige Merkmale auf, die ihm eine dominante Position innerhalb der kulturellen Produkte sichern. Erstens die Überzeugungskraft der erschaffenen Welten, mit ihren unzähligen Möglichkeiten zur Narration und Partizipation. Zweitens die hohe mögliche Geschwindigkeit der Produktion und der daraus resultierenden potentiellen Nähe zu den gesellschaftlichen Sachverhalten, auf die sich die Narration bezieht. Und drittens die breite Verfügbarkeit der Produktionsmittel, welche in den meisten Fällen sogar vollständig kostenfrei sind. Diese Voraussetzungen machen das Computerspiel nicht nur zu einem hervorragenden Unterhaltungsmedium, sondern auch speziell in der Kulturwelt zu einem außerordentlichen Informationsträger. Damit ist zu erwarten, dass sich jedes andere Kulturprodukt in seinen Möglichkeiten mit dem Computerspiel messen lassen muss und der allgemeine kulturelle Diskurs dadurch einen starken Einfluss erfahren wird.


Heiko Neumeister und Alexander Rischer

Rückläufiger Merkur
Eröffnung Freitag 1. April 2016, 19 Uhr
Laufzeit 2. April – 23. April 2016
Eine Ausstellung mit Fotografien von Heiko Neumeister und Alexander Rischer.

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Merkur wird etwa dreimal im Jahr für ca. drei Wochen rückläufig. Mit »Rückläufigkeit« bezeichnet man die scheinbare Laufrichtung der Planeten entgegen ihrer normalen Bewegungsrichtung. Die Ausstellung läuft drei Wochen, findet aber nicht während einer solchen Phase statt. Denn in einer solchen rückläufigen Phase sollte man keine Ausstellung eröffnen, erst recht nicht mit Fotografien, denn rückläufige Phasen sind durch ein gehäuftes Auftauchen von Schwierigkeiten mit der Technik wie z.B. mit Computern, Faxgeräten, Telefonen und Anrufbeantwortern gekennzeichnet

Jennifer Bennett

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»Being Home«
Eröffnung: Freitag, 5. Februar 2016, ab 18.00 Uhr
Ausstellung: 6. Februar bis 5. März 2016

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Old school selfie at my new home

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moving out

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Encounter of the third kind

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A Finissage as bed peace

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Mic’s link

https://ivc.lib.rochester.edu/revolutionary-love-a-coup-of-history/

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Last day of lunch

lunch

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In the awe of perspective

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mirror-selfie

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Recording Week-end and sounds to become visual

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Thank you Nadine and pane e tulipani for a sweet night

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Laying in a bed above a bar, I was told about the owner of that bar, how he would bang his fists on the tables quite regularly, it seems to be a professional thing.

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Images are faster than words

Doing the feeding

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New wax models, a full moon and movie nights

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Next day I was wondering why Monika kept calling me a phlegmatic, but a good one as she insisted, maybe that’s why:

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On Saturday artist Monika Frycova was my guest and gave us an entertaining lecture on her projects, starting with a soundingstring performance

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DSC01816monikaMoped

To the moped that took her from Iceland to Portugal to bring salted Bacalhau from the north to the south and the two Trabis she converted into a Trabilimo

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And much later a nightly skype talk with her Icelandic Brotherhood friends

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Saturday morning, I don’t wanna get up

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After the concert selfie time and an excerpt

My to late entering friends including Ida were wondering why I remain supporting act since five years, which made her wanting to be my manager, including carrying my gear and drinking with me at home.

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Looking forward to play at the local studio on friday

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pudel

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Weekend tragedy in the talk at lunch today, I can’t believe that happened, meaning I shall not see my friend golden pudel again, not as it used to be, gone, forever gone?

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Listening to the radio

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Meeting in the livingroom

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Trying the selfie

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Real photography for other things

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Photocredit Fred Dott

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Lunch everyday

and music

and sanding

but I won’t show you, come see it here:

Seepferdchen, bullerdeich 7 friday night 6pm

and planing

and pulling money

and remitting money

and missing appointments

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Sunday

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postopening

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and for them

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and for them

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for them

put to work

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cosy and all silent in downtown at night

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moved in

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Jennifer Bennett unternahm im vergangenen Jahr ausgedehnte Reisen durch Mittel- und Nordamerika und grub an so verschiedenen Orten wie Detroit oder Medellin nach Ton. Die daraus entstandenen Skulpturen unterscheiden sich, den geologischen Besonderheiten folgend, in Farbe und Textur.

Erdgeschichte wird verschränkt mit jüngster Zeitgeschichte. Die seltsam archaisch anmutenden Raster und Gerüste aus Keramik erinnern an chemische Modelle geologischer Strukturgitter ebenso wie an aktuelle sozialwissenschaftliche Organigramme. Kommunikation und gesellschaftliche Zusammenhänge, Vor- und Frühgeschichte, Geologie.

Die Skulpturen gehören zur Reihe »Stands on all sides – Steht auf allen Seiten«. Als Gedankenspiel funktionieren die Keramiken wie ein Pasch oder ein Joker, wie ein Stecker, der in alle Richtungen stecken könnte. Wie viele Drehachsen hat so ein Objekt? Wie viele Symmetrieebenen? Es ist ein Ding, was Beine in alle Himmelsrichtungen streckt. Es ist eine Vielfachverbindung – vom Wesen vielleicht wie eine Katze, die immer auf ihre tönernen Füße fällt. Die Füße sind bemalt – wie lackierte Zehennägel oder Socken aus farbigem Glas – Glasur.

»Being Home« ist die zweite Ausstellung von Jennifer Bennett in der Galerie Dorothea Schlueter. Die Künstlerin wird während der Ausstellungszeit in der Galerie wohnen.

Die Ausstellung findet gleichzeitig an zwei Orten statt, am selben Abend, nur wenige Stunden später, eröffnet »Go discuss: Die Künstlerin isst mit« in der Galerie Oel-Früh

Simultanausstellung

Galerie Dorothea Schlueter: »Being Home«
Eröffnung: Freitag, 5. Februar 2016, ab 18.00 Uhr
Ausstellung: 6. Februar bis 5. März 2016

»Go discuss: Die Künstlerin isst mit«
Eröffnung: Freitag, 5. Februar 2016, ab 21.30 Uhr
Mittagessen: Mo–Fr, 12–14 Uhr
Ausstellung: 6. Februar bis 5. März 2016
(Oel-Früh Cabinet / Pane e Tulipani, 
Klosterwall 23).

Dirk Meinzer, Stefan Panhans, Andrea Winkler

Videovorführung mit Lesung im Metropolis Kino
am 22. Januar 2016 um 21.15

Mit Filmen und Texten von Christian Jankowski, Bronislaw Malinowski, Dirk Meinzer, Pierre-Dominique Gaisseau, Luigi di Gianni, Stefan Panhans, Margarete Riemschneider und Andrea Winkler. (Es lesen Lisa Marie Janke und Jörg Pohl.)

»Papa Wata II«, 2012 (Dirk Meinzer), »I guess I need you baby«, 2015 (Andrea Winkler), »The best ones make you feel as fearless as Beyoncé« 2015 (Stefan Panhans), »Augengott und Heilige Hochzeit« 1953 (Margarete Riemschneider, Lesung), »Die Jagd« 1992/1998 (Christian Jankowski), »Nur Himmel und Dreck« Ausschnitte 1961 (Pierre-Dominique Gaisseau), »Ein Tagebuch im strikten Sinn des Wortes« (Bronislaw Malinowski, Lesung), »Il Culto delle pietre« 1967 (Luigi di Gianni), »Mami Wata I« 2005 plus Lesung (Dirk Meinzer).

DS_PMWWEBÜber die Ästhetisierung von Kultobjekten, Hexereiwesen, Warenfetischismus und Klimbim.
Eine Ausstellung mit diversen Objekten, wie Sicherheitsetiketten, Turnschuhen und Seekuhtränen.

Eröffnung: Freitag, 11. Dezember 2015
Laufzeit: Samstag ,12. Dezember bis 23. Januar 2016

Videovorführung mit Lesung am 22. Januar 2016 um 21.15  im Metropolis Kino

Eine benutzte Löschdecke bekommt den Status einer Leinwand, zerschnittene Isomatten und Gummi-Flip-Flops werden zu Schwimmkörpern eines Fischernetzes. Mastfutter für Bodybilder wird in Salzteig verknetet und zu marmorierten Klettergriffen geformt. Das schimmernde Gewebe einer Karbonfasermatte (die einen Motorradhelm einhüllt), geht sonderbare Allianzen mit einer schwarzen Schlangenhaut ein, außerdem wurde unter der Vitrine in der sich diese Konstellation zusammenfindet ein gestretchtes Universum abgestellt. Diese Ausstellung ist wissentlich dem ignoranten Durcheinander eines Flohmarkts gefährlich nah, genauso aber – und wiederum mit voller Absicht – der Parodie von schauderhaften, esoterischen Glücksversprechen, die selbstverständlich nur dann wirksam werden, wenn man beginnt Produkte des hier fluktuierenden Aberglaubens zu erwerben.

David Fletcher

»The Carp of the Tench«
David Fletcher with contributions by
Clare Mitten, Louis Benassi and Paul Westcombe
Eröffnung 23. Oktober, 18 Uhr
Laufzeit 24. Oktober bis 28. November 2015
fletcher

»The Carp of the Tench« ist eine verwirrende Formulierung, etwas wie »the Fish of the Fish« oder, um den verschiedenen Gattungen gerecht zu werden, »The Cat of the Dog«.

Im Englischen bezeichnet »Carp« (Karpfen) eine Fischgattung, hat aber eine zweite Bedeutung, nämlich: »to complain« (klagen).  Übersetzt man »Tench« ins Deutsche, wird es der Fisch »Schlei«, aber genauso der Fluss »Schlei«. In beiden Sprachen kann der Satz also heißen »The Fish of the Fish« oder »Complaint of the Fish« oder »Fish of the River Schlei«.

»The Carp of the Tench« ist ein Textequivalent für die Ausstellung. Denn auch hier wird Form und Inhalt in Variationen durchgespielt und wechselt die Gewichtung.

Wir zeigen eine Reihe von Malereien. Verbindendes Element der Bildmotive ist die Variation von Kreisen und Kugelformen, wobei jedes Bild selbstverständlich ein unabhängiges Thema hat. Viele Motive umspielen Themen verfälschter oder bastardisierter Metaphysik, also beispielsweise optische Täuschungen, die abwegige Schlüsse provozieren.

David Fletcher widmet sich ernsthaft, aber auch scherzhaft genau solchen Konstruktionen. Ein Ausgangspunkt könnte die Erfahrung sein, die man macht, wenn man ein Gemälde von Braque für lange Zeit betrachtet – nach einer Weile glaubt man nämlich, einen Zugang zu diesen physikalisch unmöglichen Räumen zu bekommen, bevor einem das eigene Tun dann genauso unmöglich und absurd erscheint und das Bild einem zu spotten scheint.

Gabi Steinhauser

Gabi Steinhauser, Color Fields
Eröffnung: Donnerstag 10. September, 18 Uhr
Laufzeit: 11. September bis 10. Oktober, 2015

Ohne Titel, 2014

Color Fields ist die zweite Einzelausstellung der Berliner Künstlerin Gabi Steinhauser bei Dorothea Schlueter in Hamburg.

Wir zeigen neue großformatige Fotografien, die sehr viel weniger abstrakt als die früheren Arbeiten, gleichwohl im selben Geist entstanden sind. Es ist, obwohl es sich bei Fotografie ja um typische Flachware handelt, ein skulpturaler Ansatz. Als würde der Lichtstrahl des Projektors einen Körper formen und nicht nur eine plane Fläche Fotopapier belichten. (Jenseits technischer Belichtungsfragen im Fotolabor formt Licht tatsächlich Körper. Die Anmutung gewölbter, geknickter oder sonstwie geformter Gegenstände entsteht immer nur durch die jeweilige Beleuchtung – Evidenz, also das dem Augenschein nach unbezweifelbar Erkennbare, gibt es nicht im Dunklen.)

Gabi Steinhauser befasst sich intensiv mit Bildkomposition, ihre Intention ist es, Fotografien von der Welt zu machen, die zum Bild werden, also nicht zum Abbild der Welt, sondern zu einer abstrakten Komposition von Farbe und Form.
Ist es also möglich, z.B. Personen zu fotografieren, ohne sie damit zu porträtieren, eher Figuren aufzunehmen als Persönlichkeiten? Gabi Steinhauser ist der Umraum einer Bildkomposition immer genauso wichtig wie die Figur, sei diese nun ein Haus, eine Palme oder eine Person. Sie benutzt die Welt als Motivgeber, um grundsätzliche Bildfragen zu stellen: Wie lässt sich die optische, abbildliche Oberfläche durchstoßen und so die Realität in ihren Zusammenhängen verstehen?
Die Betrachter sollen sich weder plaudernd in Narrativen einrichten noch beschaulich in Bildräumen niederlassen, was soll das überhaupt sein, so ein Bildraum?
Die Schlacht um Abstraktion und Abbildlichkeit, um Bildevidenz muss immer neu ausgefochten werden.
In der Spannung zwischen Wirklichkeitsbezug und Eigenwirklichkeit der Fotos formiert sich stets aufs Neue die Bedeutung von Bildern.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, außerdem danken wir der Firma Vorwerk.

Skizzen von Hamburger Architekten – Handzeichnung versus Zeichnung am Rechner

11. Juli bis 26. Juli, 2015

11. Juli, Nachmittagsempfang 15 – 17 Uhr
Achtung andere Öffnungszeiten!
Di. – Fr. 13 bis 17 Uhr
Sa. + So. 11 bis 17 Uhr

Eine Ausstellung kuratiert von Andrea Nolte im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2015.

Ausstellung und Begleitvideo thematisieren die Präsenz der Skizze als Werkzeug im heutigen Büroalltag. Inwieweit ist der »mit dem Stift skizzierende Architekt« noch Realität in einer Arbeitswelt, in der sich Computer Aided Design weltweit etabliert hat. Bewirkt die Arbeit am Rechner Veränderungen in der Architektur? Denkt der Architekt noch mit dem Stift? Wie wird die Skizze eingesetzt, verarbeitet und wie sieht sie heute aus, wird sie aufbewahrt?

Diese Fragen stellte  Andrea Nolte, selbst Architektin, in Hamburg tätigen Architekten: Architekten, die älter sind, die vorrangig handwerklich mit Stift und Reißschiene gearbeitet haben, Architekten, die beide Arbeitsweisen beherrschen und jungen Architekten, die hauptsächlich am Rechner arbeiten.

11. Juli bis 26. Juli, 2015
Achtung andere Öffnungszeiten!
Di. – Fr. 13 bis 17 Uhr
Sa. + So. 11 bis 17 Uhr

Armin Chodzinski

Eröffnung: Freitag, 29. Mai, 19 Uhr.
Laufzeit 30. Mai bis 4. Juli, 2015

formal/informal organization

Hans Castorp.
(Rosenquist, Horizon Home Sweet Home, 1970, revisited.)

»Wir müssen liegen, immer liegen. Settembrini sagt immer, wir lebten horizontal, – wir seien Horizontale […]. Der Mund stand ihm offen, denn er konnte nicht recht durch die Nase atmen, ohne dass er übrigens Schnupfen gehabt hätte. Sein Herz hämmerte in falschem Takte zur Musik, was er dumpf als quälend empfand. Und in diesem Gefühl von Unordnung und Widerstreit begann er einzuschlafen.« (Thomas Mann, Der Zauberberg (1924))

»Organisation, erst im 18. Jh. besonders durch die Französische Revolution in Umlauf gekommen, die von Menschen geschaffene zweckmäßige und in ihrer Form beharrliche Anordnung der Teile eines Ganzen, so dass sie zusammen wie ein Organismus wirken sollen.« (Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1998))

»Das Publikum liebte den Effekt bereits, sein rebellisches Zucken, sein elektrisierendes, befreiendes Wesen. Die alten Tanzformen wurden dadurch zerstört, unmöglich gemacht. Der rasante Wechsel von der Finsternis ins Überhelle schien ins Zentrum der Doppelnatur eines jeden zu treffen, der Blitz weckte schlafende Kräfte, befreite Energien, Lüste und Neigungen, verscheuchte die Hemmungen. (…) Ein mentaler Ruck hatte jeden durchfahren und die Zeit in ein Davor und Danach geteilt.« (Bernd Cailloux, Das Geschäftsjahr 1968/69 (2005))

Interview James Rosenquist 18. 3. 1991 (http://www.achievement.org/autodoc/page/ros0int-1)
»One piece I did back in 1970 was a room of vertical colored panels, and then I put a dry ice fog on the floor and Claude Picasso came and started taking photographs of it. I had just met him. And the colors seemed to disappear right into the floor, and the floor seemed non-existent. It was a fog. And with reflective panels. So the reflection that went into the fog was very unusual too. Because the energy from the reflection disappeared as it went into the fog. So that’s the way I accomplished that feeling. I did one version that was called Home Sweet Home, and the other one was called Slush Thrust

Der eurozentrische Blick auf das Individuum ist von der Ökonomie geprägt, in der die Gemeinschaft nicht viel mehr als eine zu differenzierende Kundengruppe ist. Die künstlerischen Arbeiten von Armin Chodzinski sind gesellschaftlichen Prozessen am Ende der Industriegesellschaft gewidmet. Er vermengt formal und inhaltlich Fragen der Kollektivität, der Romantik und einer gesellschaftlichen Struktur, die sich von hierarchischen Prinzipien zum Netzwerk und zum Schwarm entwickelt. Elemente der Organisationsforschung, der Netzwerkanalyse oder individuelle Begegnungs- und Bewegungsraster zeichnet er mittels Bleistift auf raumhohe Pappelsperrholzpaneele.

Armin Chodzinski ist Zeitdiagnostiker, Performer, Künstler sowie Vortragskünstler, Ex-Manager und Autor. Die Bandbreite der Beschäftigungsfelder mag verunklaren, dass sich sein Zugang zu den Dingen vornehmlich aus der bildenden Kunst speist. Bei aller Diskursivität und Lautstärke steht das Material, die Form, die Klugheit des künstlerischen Tätigseins und das Dummwerden vor der ästhetischen Erscheinung im Mittelpunkt seiner Arbeit.

 

Thomas MANN (1924) : Der Zauberberg

Siegfried KRACAUER (19291971): Die Angestellten. suhrkamp taschenbuch 13.

Bernd CAILLOUX (2005): Das Geschäftsjahr 1968/69. edition suhrkamp 2408.

Wilhelm BERGER / Peter HEINTEL (1998): Die Organisation der Philosophen. edition suhrkamp 2096.

Michel DE CERTEAU (1988): Kunst des Handelns. Merve 140.

Herbert LACHMAYER / Eleonora LOUIS (Hrsg. (1998)): Work&Culture. Büro. Inszenierung von Arbeit. Ritter Verlag, Klagenfurt.

Andrzej HUCZYNSKI / David BUCHANAN ( 2001): Organizational Behaviour – An introductory text. Prentice Hall.

Joachim RADKAU (1998): Zeitalter der Nervosität. Propyläen Taschenbuch.

Christiane Blattmann und Jannis Marwitz

Eröffnung Freitag 3. April, 19.00 Uhr
Laufzeit 4. April bis 16. Mai

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»Baby Birds«
Christiane Blattmann und Jannis Marwitz.

Eröffnung Freitag 3. April, 19.00 Uhr
Laufzeit 4. April bis 16. Mai

I am looking upon the Santa Maria del Fiore. The building that my grandfather Lorenzo Ghiberti designed. Yet, his plans were stolen, through the unscrupulously evil Filippo Brunelleschi. And now, I, his grandson… eh… Alfredo Marticelli Ghiberti, will get my revenge upon the Brunelleschi Clan by stealing their treasure. And I have discerned its location, and it’s a collection of holy relicts atop the Santa Maria del Fiore.
So now I’m gonna go do that.
Spite the rumours and the claims of the History Channel, it was not Brunelleschi who spent hours cracking eggs, trying to find the secret behind their eggy toughness and durability and ability to stand under their own weight. It was Ghiberti. He was the true genius of the Renaissance. And he’s the victim of an evil conspiracy with the Pazzi and Cesar Borgia and all the other bad guys, all teamed up. Even… even Benito Mussolini was involved, because he was… back then… since he is a vampire.
I’m going to climb the tower and get over to the lantern of the Santa Maria del Fiore. And then I will loot it of its treasures and the Brunelleschis will look at the empty treasure boxes and they will go boohoo, boohoo.

Alexander Hoepfner

Sehtest und Einladung zur Ausstellung von Alexander Hoepfner Eröffnung: Freitag, 6. Februar 2015, 19 Uhr Laufzeit: 7. Februar bis 21. März, 2015

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Achtung! Dieser Sehtest kann nur eine Tendenz aufzeigen. Sinnliche Gewissheit können Sie weder am Rechner noch mit der postalischen Einladung erreichen – suchen Sie dafür auf jeden Fall die Galerie auf! Hängen Sie diese Einladung in Augenhöhe an eine gut beleuchtete Wand. Stellen Sie sich in 2 Meter Entfernung vor die Einladung. Wenn Sie sich für Schablonen, Mikrokulturen, Grabungen am eigenen Bild, kurze und längere gesprühte Linien, die auf einem anderen Bild wiederum von zwei puddingartigen Flächen bedrängt werden, interessieren, wenn es Ihnen gefällt Malereien zu betrachten, deren Charakter zwischen schrundigen Mondoberflächen und Wärmekameraaufnahmen changieren, es Ihnen etwas sagt, die eigene Erkenntnis zu verschleiern, die Lesbarkeit zu stören, die man eigentlich erreichen wollte, kurz die Paradoxien erst auszudenken, die man daraufhin ertragen muss, dann sollten Sie auf jeden Fall die Ausstellung besuchen. Lassen Sie sich gegebenenfalls von jemandem helfen!

Hans Stützer

Hans Stützer UNSER GELD Eröffnung: Freitag 5. Dezember 18 Uhr Laufzeit: 6. Dezember 2014 bis 24. Januar 2015 Mit Jörg Pohl, PHK a. D. Heinz Itschert, Waldemar & Sammlung K. H. Dellwo. Björn Luecker – Schlagzeug, Giorgi Kiknadze – Bass, Gabriel Coburger – Saxophon/Flöte/Klarinette. Zur Eröffnung am Freitag um 20 Uhr, wird Jörg Pohl ein Dramolett zur Aufführung bringen.

  »Thank you for making this commercial accessible with captions. I watched the clip. I was fascinated. And I thought, need to live forever. (Néztem a klipet. Leny gözött. (És arra gondoltam: örökké kell élni.) Such simple ,yet a profound poem... And a fantastic clip, so inspirational... Thanks for sharing Consciousness ... PEACE. Your life is your life. Don‘t let it be clubbed into dark submission. Be on the watch. There  are ways out. There is light somewhere. It may not be much light. But it beats the  darkness. Be on the watch. The gods will offer you chances. Know them. Take them.  You can‘t beat that. But you can beat death in life. Sometimes. And the more often  you learn to do it. The more light will be. Your life is your life. Know it while you  have it. Your are marvelous. The gods wait to delight in you. (vorgeschlagen von  harrypothead (cool and funny staff) Kinderreichen Familien, das sind die Frauen,  die Haushalt und Kinder haben und gleichzeitig in der Fabrik arbeiten müssen. Das  sind die proletarischen Jugendlichen, die keine Perspektive haben, aber auch noch  nicht Familie haben, womit sie gezwungen werden, angepaßt zu leben. Das sind die  Leute in den Neubau-Gegenden der Großstädte ... Dies Utopia wäre kein Zustand  ewigen Glücks. Die »natürliche« Individualität des Menschen ist ebenso eine Quel-  le seines natürlichen Leidens. Wenn die menschlichen Verhältnisse tatsächlich  menschliche sind, wenn sie befreit werden von allen fremden Maßstäben, auch  dann noch werden sie durchdrungen sein von der Trauer über ihren je einzelnen  Gehalt. Sie sind vergänglich und unwiederholbar, und ihr vergänglicher Charakter  wird deutlicher hervortreten, wenn die Sorge für das menschlich Wesen nicht länger  vermischt ist mit der Angst um seine materielle Existenz und überschattet  vom Schrecken der Armut, des Hungers und der gesellschaftlichen Isolation. Es  klingelt. Die Tür geht auf. Wer kommt rein? Er. Man kann diesen Mann nicht ge-  nug würdigen - für seine Verdienste um Deutschland und Europa, für seine mora-  lische und private Integrität, für sein Charisma, für seine brillante Intelligenz  und Eloquenz. Und dafür, dass er immer konsequent seinen Weg gegangen ist. Wie  gut, dass in diesem Land nicht Menschen wie Du etwas zu sagen haben / hatten.  Er ist wohl die herausragendste deutsche Persönlichkeit, ihn als Menschenfeind  zu bezeichnen zeugt von totaler Unintelligenz. Gottseidank stehst Du mit Deiner  Meinung so gut wie alleine da! Der Rest der Welt schätzt Ihn für seine Weitsicht,  Intelligenz + Weisheit ! Er ist meiner Meinung nach der Letzte noch lebende Held  dieses Landes. Wenn man einen Kanzler auf Lebenszeit bestimmen könnte: Es ware  für mich Er! Welcome.This simulation is the place to explore your darker nature  and most importantly - be who you really are you know what we are talking about  - the true darker side of yourself. The side ou normally hide. Your true identity.   This is not a scene driven roleplay simulation that has rules of engagement. This  is simply a place for your other life - the one that you are afraid of. The one that   you shield your freinds, family and co-workers from. The one that truly brings  you excitement - and peace. Die Glocke ruft die Kinder pünktlich in die Klassenräume.  Dort werden sie von Seelsorgern erwartet.«

Michael Deistler, Jue Löffelholz, Kenneth Wiatrek

Eröffnung Freitag 7. November, 2014, 18 Uhr 8. – 29. November, 2014 »Die Faszination der Sinnlosigkeit« Michael Deistler, Jue Löffelholz, Kenneth Wiatrek

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Unverhohlen ätzt der Titel von der »Faszination der Sinnlosigkeit«. Wir bringen also, dem Slogan aus dem Rundfunk folgend, die Superhits der 80er und 90er und das Beste von heute. Wobei Michael Deistler und Kenneth Wiatrek Zeichnungen auf Papier und Wänden zeigen und Jue Löffelholz Objekte aus Frankfurt mitbringt. Die Frage ist, ob »die Faszination der Bedeutungslosigkeit« nicht der interessantere Titel wäre. Dass Sinnlosigkeit fasziniert, ist ja jedem klar, der sich schon mal über irgendetwas Gedanken gemacht hat. Sinnlosigkeit ist so etwas wie ein pathetischer Refrain, den man wiederholen kann, ohne dass damit riskiert würde, diesen Vorgang wiederum tatsächlich als sinnlos anzusehen. Dass es ein Faszinosum des Bedeutungslosen geben könnte, das einen Sinn haben könnte, aber eben nicht den, sondern als etwas, dass eine paradoxe Beziehung markiert zu irgendetwas, ist zumindest die kompliziertere Denkbewegung. Wonach man sich wieder fragen müsste, warum Kompliziertheiten meistens interessanter sind als alles andere. Wir freuen uns über weitere Titelvorschläge, Bedingung ist aber der Besuch der Ausstellung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BRD Galerie

Galerie BRD mit der Ausstellung »Das Gespenst in der Maschine« zu Gast bei Dorothea Schlüter, vom 8. Oktober bis zum 2. November (eine Vernissage findet nicht statt).
Die Ausstellung ist Teil des internationale Kunstprojekts »Krankheit als Metapher. Das Irre im Garten der Arten«, kuratiert von Britta Peters. www.kamhh.de

Das Selbst ist keine historische Tatsache

The thesis was that there was something really good down in there and if you took these layers off what you were going to wind up with was a kernel, a something that was innately self-expressive, that was the true self that was going to be a wonderful thing. In actuality, we found people who had gone to the last layer and took off the last layer and found what was left was nothing.

Der Kern, auf den sich der ehemalige Autoverkäufer und Psychoguru Werner Erhard hier bezieht – das innere Selbst, das es zu finden gilt – beschreibt als sprachliche Konstruktion im 20. Jahrhundert eine bemerkenswerte Entwicklungslinie. Folgt man der Argumentation von Adam Curtis’ Film The Century Of The Self, so lässt sich diese Linie, die das Verhältnis des Menschen zu seinem Selbst darstellt, in zwei Phasen aufteilen.

Freuds dreigeteilte Definition der Psyche, bestehend aus dem Es, Ich und Über-Ich, bei der dem Unbewussten (Es) ein besonderer Stellenwert eingeräumt wurde, bildet hier den Anfang. Freuds Konzeption des Unbewussten beinhaltete sowohl tierisch-instinktive Triebe als auch verdrängte Bruchstücke vergangener Erlebnisse. Seine Vorstellung dieser Innenwelt war also bevölkert von unkontrollierten und vor allem unzivilisierten Elementen, die eine starke Auswirkung auf das Handeln des Einzelnen hatten. Um diesen potenziell gefährlichen Einfluss auf die Gesellschaft zu minimieren, mussten die Inhalte des Unbewussten in einer geordneten Form entdeckt, geborgen und unschädlich gemacht werden.
Diese komplizierte Operation konnte nach Freuds Meinung nur unter Aufsicht eines Psychotherapeuten durchgeführt werden, welcher dabei die Rolle eines Zeremonienmeisters oder Priesters einnahm, der zum Wohle des Einzelnen wie auch zum Wohle der Gesellschaft Manipulationen am Unbewussten des Patienten vornahm.
Ab den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend auch die Werbeindustrie auf diese Struktur aufmerksam, denn die Einflussmöglichkeit des Therapeuten barg vor allem auch ein nie geahntes Potenzial: den Durchbruch zu neuen Märkten. Das Wissen um das Vorhandensein jenes Unbewussten, eines verborgenen Meeres an Bedürfnissen und Wünschen in den Köpfen der Konsumenten, ermöglichte es der Werbebranche mithilfe der Psychoanalyse, ebendiese Bedürfnisse zutage zu fördern und anschließend durch Waren zu befriedigen.

So eröffneten sich wahrlich revolutionär neue Wege zur Absatzsteigerung.
Adam Curtis’ Erzählung zufolge blieb den Konsumenten durch die Ansprache an das Unbewusste gar keine andere Wahl, als zur Ware zu greifen. Dieses Verhalten der Konsumierenden zeigte die fehlende Kontrolle des Einzelnen über sein Innerstes und begründete zugleich den Bedarf an professionellem Personal, welches diese Inhalte kontrollieren und nutzbar machen konnte: in diesem Fall verkörpert durch Angehörige der Werbeindustrie.

Drei Jahrzehnte später, in denen diese Übertragung der Psychoanalyse in die Wirtschaft erstaunliche Erfolge verzeichnete, regte sich Widerstand aus den Reihen der Konsumenten. Anhänger einer neuen amerikanischen Linken schien der Zugriff der Wirtschaft in Bereiche der privaten Psyche als Grenzüberschreitung. Ausgerechnet das Innerste und Unzugänglichste der Psyche dem Einfluss von profanen wirtschaftlichen Interessen ausgesetzt zu sehen, schien für sie absolut inakzeptabel. Mit dieser Abneigung ging eine neue Vorstellung von der Beschaffenheit der Psyche einher – das Verhältnis des Menschen zu seinem Innenleben betrat eine neue Ebene: Das Unbewusste hatte in ihrer Vorstellung durchaus die Ausdehnung und die Relevanz, die Freud ihm zuschrieb, allerdings wurden seine Inhalte nun ausschließlich positiv aufgefasst. Diese Inhalte mochten zwar ebenfalls wild und unzivilisiert sein, ihre Entdeckung aber hatte ausschließlich wünschenswerte Auswirkungen. Nicht die Unbewussten, animalischen Triebe der Massen waren nun das Problem, sondern die Gesellschaft, die diese Triebe unterdrückte, verbot und unter Strafe stellte. Es handelte sich hierbei durchaus um Freuds klassische Theorie – nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Der professionelle Therapeut war nun im Prozess der Erkenntnis nicht nur überflüssig geworden – aufgrund seines Standpunkts außerhalb der geheimen Erkenntnisse des Einzelnen und seiner Selbstwahrnehmung wurde er sogar als gefährlicher Manipulator wahrgenommen und abgelehnt. Das alleinige vertrauenswürdige Personal bei dieser heiligen Veräußerlichung wurde der Einzelne, die erste Person Singular selbst.

Während in Freuds ursprünglicher Vorstellung das Unbewusste prinzipiell veränderlich war, musste dieser neue, grundlegend positive Kern in seinen Eigenschaften als unveränderlich gelten, sonst konnte er seinem Anspruch auf Wahrheit nicht gerecht werden. Und so wurde alles, was zutage trat, ein fest definiertes Attribut. Jede entdeckte Eigenschaft fällte ein ewiges Urteil über seinen Besitzer. Jeder psychische Zustand wurde zur metaphysischen Tatsache. Freuds Unbewusstes wurde nun das Selbst. Damit beendet Adam Curtis seine deskriptive Geschichte der Psychoanalyse.

Und hier befinden wir uns heute. Eine Legion von Vorstellungen über das Selbst kulminiert in einer Alltagspsychologie, welcher die oben beschriebene Vorstellung der Psyche zugrunde liegt. Nennenswert modifiziert wurde diese Grundlage nicht. Man könnte also meinen, es handele sich hierbei um eine effiziente Konstruktion, um ein Konzept, das aus gutem Grund so große Verbreitung gefunden hat. Die inhärenten Probleme dieser Konstruktion werden meist übersehen oder geleugnet, indem sie einer anderen Sphäre zugerechnet werden. Erst bei genauerem Betrachten wird die Vielfalt der Probleme sichtbar, die diese Vorstellung des Selbst mit sich bringt.

Dazu zählt etwa das schwerwiegende Dilemma, dem sich der Einzelne in Konfrontation mit dem postmodernen Leistungsimperativ gegenübersieht. Die singuläre Beschaffenheit des Selbst, für dessen Gesundheit jeder für sich zu sorgen hat, wird dabei eher als Problemursprung identifiziert als etwa die Struktur der Arbeit oder die Erwartungen an persönliche Beziehungen. Nicht die Beschaffenheit der sozialen Institution der Arbeit wird als fragwürdig identifiziert, sondern die scheinbar unpassenden oder unterentwickelten Attribute des Einzelnen, beispielsweise Leistungsorientiertheit, Freiheitsliebe oder soziale Inkompetenz.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Burn-out-Syndrom: eigentlich ein offensichtliches Zeichen für die Dysfunktionalität unserer Auffassung von Arbeit. Diese erzeugt bei den Betroffenen einen enormen Leidensdruck. Zwar wurden sie vom Schicksal mit dem Attribut der Leistungsorientiertheit versehen, nicht aber mit der dafür notwendigen Leistungsfähigkeit. Die postmoderne Identifikation mit der Arbeit macht ein Scheitern im Beruf schnell zu einem insgesamt gescheiterten Lebensentwurf: das vorhandene Konglomerat an persönlichen Attributen scheint leider ein Unpassendes zu sein. Wie man ist und wie man nicht anders kann wird geregelt durch den oben beschriebenen festen Schatz an persönlichen Merkmalen.

Doch es bleibt nicht bei einzelnen Opfern in der Arbeitswelt. Das Selbst erzeugt – als eine Ansammlung von geerbten bzw. durch das Schicksal zugewiesenen, also also durchweg privaten Attributen – eine Situation, die eine Gesellschaft der Solidarität nahezu unmöglich macht. Definiert man Solidarität als das sich-Wiederfinden des Einzelnen in seinem Gegenüber, ihn zu erkennen als gleichberechtigten Gleichen mit denselben begrenzten Problemen – wie kann dann Solidarität entstehen, wenn das oberste Ziel die Entdeckung des einzigartigen eigenen Inneren ist? Eines Inneren, das die unvergleichliche persönliche Wahrheit trägt. Auf die Suche nach dieser inneren Wahrheit muss sich jeder alleine begeben. Dabei wird das Soziale schlimmstenfalls als Hürde wahrgenommen, bestenfalls als Krücke – immer als Mittel, nie als Zweck.

Die Auffassung, Wünsche und Bedürfnisse als zu interpretierende Äußerungen eines mehr oder weniger eingesperrten Selbst zu betrachten, führt oft zu waghalsigen Manövern: Den Äußerungen des Selbst ist absolut Folge zu leisten, Widerstand ist zwecklos und wird mit Krankheit bestraft. Diese Struktur ist alt. Man findet sie bereits in der katholischen Umgangsweise mit Sünde, Beichte und Buße. Krank wird die Person, die nicht in Gänze bei sich selbst ist. Die Lösung ist mechanischer Natur: Ursache und Wirkung. Der kausale Zusammenhang zwischen zu-sich-selbst-Finden und sich-besser-Fühlen eröffnet eine Vielzahl an Beschäftigungsfeldern für die richtige, individualisierte Heilung. Ob Kochgruppe oder Poweryoga, Männlichkeitsrituale bei der Oldtimerreparatur oder Aussteigerromantik, immer ist die Autorität der ersten Person, des zu-sich-Findens und auf-sein-Bauchgefühl-Hörens die bestimmende Kraft. Das Selbst, das Individuum, die Gesundheit, die Kreativität – der urbane Mythos einer natürlichen Ordnung der Dinge.

Diese natürliche Ordnung erstreckt sich bis in die Wahrnehmung des politischen Systems. Interessanterweise ist dies besonders ein Phänomen des gemäßigt linksliberalen und urbanen Milieus. Die sanfte Kapitalismuskritik findet ausschließlich mit den vom Kapitalismus eingeführten und bereitgestellten Mitteln statt. Dabei werden zwei Hypothesen über die Welt nicht angetastet und als gegeben betrachtet: Einerseits, dass Veränderung durch Veränderung des Kaufverhaltens möglich ist, und andererseits, dass sich das Selbst der kaufenden Person in ihrem Kaufverhalten ausdrücken kann. Hier ist der oben beschriebene Einfluss der Psychoanalyse auf die Konsumkultur noch deutlich spürbar. Nur hat der erwähnte Wechsel der Vorzeichen dazu geführt, dass sich der Konsument nicht mehr als Manipulierter, sondern als Manipulator wahrnimmt. Er ist nicht mehr der passive Spielball in diesem Systems, sondern der aktive Spieler.

Die Frage, ob diese Konvention – die Behauptung, dass es so etwas gibt wie das unverfälschte Selbst – vielleicht grausam und problematisch ist, wird gar nicht erst gestellt. Identität, so suggeriert die jüngere Geschichte, ist eine historische Tatsache. Und Tatsachen sind wertvoll in einer Welt, die überkomplex scheint. Also gilt es festzuhalten an bekannten Konstruktionen, auch wenn die Begleitschäden allgegenwärtig sind. Nicht immer ist dieses begrifflich nebulöse Konglomerat aus Selbst, Geist und Seele negativ konnotiert, nicht immer ineffizient und grausam. Das Potenzial dazu hat es aber allemal.

Wenn man sich einer anderen Erzählung zuwenden würde, einer, die das Selbst nicht akzeptiert als metaphysische Tatsache, geriete die Narration der Attribute ins Wanken.

Sexuelle Orientierung könnte beispielsweise als temporäre Verhaltensweise verstanden werden – keine Zuschreibung, sondern eine Beschreibung werden. Hetero- oder homosexuell zu sein wäre in dieser Erzählung keine relevante Information mehr, da es den vermeintlichen Träger sexueller Orientierung, also das Selbst, nicht mehr als Tatsache gäbe. Eine Geschichte der Verhaltensweisen wäre effizienter und wandelbarer als das Fischen im trüben Gewässer der eigenen Psyche.

Solche Verschiebungen der Konventionen sind ein schleichender Prozess. Viral trägt sich ein anderes Sprechen weiter, es passiert die ganze Zeit, in alle Richtungen. Wörter verschwinden aus dem Sprachgebrauch und bekannte Verhaltensweisen werden getauscht gegen neue, der Situation angepassten.

Gespräche über das Grundeinkommen zum Beispiel zeigen solche Veränderungstendenzen. Das Auftreten dieses Begriffs und der dazugehörigen Debatte deuten nicht nur auf ein verändertes Verhältnis zur Arbeit hin, sie führen diese Veränderung auch fort. Der Begriff muss zuerst geboren werden, um zum Träger einer ganzen Reihe von Ideen zu werden; die Sprache steht in enger Verbindung zur Handlung.

Die rein zufällige Beschaffenheit der Welt lässt uns viel Handlungsspielraum, die Weltbeschreibung effizient nach unseren Notwendigkeiten zu ändern. Dabei geht es nicht darum, wie ein Taschenspieler aufzutreten und zu erklären, dass alle Probleme, die der Arbeit, die der Psyche, die des Leidensdrucks, einfach verschwinden, wenn wir nur lange genug sagen, dass es sie eigentlich nicht gibt. Wenn man die sprachliche Struktur hinter dem, was man als Probleme bezeichnet, erkennen könnte, dann verlören sie ihr Gewicht als unumstößliche Tatsachen. Sie sind eine Möglichkeit von vielen und es liegt an der Gemeinschaft der Sprechenden, diese Möglichkeiten gegen andere zu tauschen. Dieses Verständnis von der Welt impliziert, dass es keine natürliche Ordnung der Dinge gibt, keinen Ursprung, der richtig oder falsch definiert, keinen Masterplan. Diese Begriffe sind Prothesen, die temporär für einzelne Erzählungen und deren jeweilige Logik gelten können; sie verweisen jedoch auf keine Wahrheit hinter den Dingen.

Diese Erkenntnis ist ein zweischneidiges Schwert.

Was können wir entgegensetzen, ist die Frage – was anbieten? Die Zukunft liegt wahrscheinlich nicht in der Vergangenheit. Kein Gott, dem wir uns nähern können, keine Natur, mit der wir im Einklang stehen müssen, kein Selbst, das es zu finden gäbe. Was wir haben, sind soziale Institutionen, die schon immer durch unser Sprechen geformt wurden. Wenn wir die Strukturen verstehen, die Veränderlichkeit dieser Institutionen erkannt haben, dann wird auch klar, dass uns die geschichtliche Kontingenz der Sprache zusammenhält und eint. Das sich-in-derselben-Geschichte-Befinden, in derselben Kontinuität mit denselben Institutionen und Codes, könnte Grund genug sein, solidarisch zu handeln und gemeinsam die Sprache und ihre Produkte gerechter und weniger grausam zu gestalten.

Institutionen wie Arbeit und Sexualität, Liebe und Individualität sind Konstruktionen und keine Tatsachen, wir könnten uns von ihnen trennen, wenn wir das wollten. Neustrukturierung der Sprache statt Festhalten an etwas, das Leiden schafft. Die Werkzeuge dazu hätten wir schon lange.

Anja Dietmann

Anja Dietmann, mit vielen anderen. Nämlich: Gina Fischli, Sakura Hada, William Joys, Tina Kämpe, Janina Krepart, Jannis Marwitz, Katharina Trudzinski.

Zur Eröffnung werden Bananen-Burger gereicht. Das Lieblingsbrot von Elvis, dessen Haushälterin diese Spezialität 24 Stunden am Tag vorrätig hielt, um zum Beispiel eine nächtliche Fressattacke professionell parieren zu können.

Die Regenmacherbaquettes von Anja Dietmann stehen in einem Schirmständer. Die Frage nach dem richtigen Sockel, der korrekten Fassung des Kunstwerks ist hiermit pointiert beantwortet. In einer Ausstellung in der Großen Bäckerstraße müssen Porzellanbackwerke die als Regenmacher figurieren selbstverständlich in einem Schirmständer stehen, denn diese Objekte gehen einem handelsüblichen Regenschirm notwendig voraus, andernfalls bräuchte man weder diesen noch den Schirmständer.

Ein Herzlicher Dank gilt Ingrid Jäger und der Druckerei Optiplan

»Mit vielen anderen gefällt mir gut. William möchte gerne noch ein Kleid nähen und, wenn es gut geht, später im September ein kleines Schauspiel aufführen.
Jetzt bin ich hier in der Küche mit diversen Backwaren, drei Schellackflaschen und zwischendurch das Burgerlied.
Das Regenmacher-Baguette ist auf dem Weg, morgen bin ich bei der schönen Susan Sontag in der Keramikwerkstatt.
Gina macht sich auf den Weg nach Gera, um ein Podest zu besorgen, und Katha knetet weiter.«

Eröffnung: 6. September, 18 Uhr
Laufzeit: 10. September bis 28. September 2014

Rocco Pagel

Rocco Pagel, »du«
Eröffnung: Donnerstag, 22. Mai 18 Uhr.
Laufzeit: 23. Mai bis 5. Juli 2014

Neue Malereien des Berliner Künstlers Rocco Pagel

»Noch in der Wahrheit selber, der letzten, die nur eine sein kann, muss ein Und stecken; sie muss, anders als die Wahrheit der Philosophen, die nur sich selber kennen darf, Wahrheit für jemanden sein. Soll sie dann gleichwohl die eine sein, so kann sie es nur für den Einen sein. Und damit wird es zur Notwendigkeit, dass unsere Wahrheit vielfältig wird und dass »die« Wahrheit sich in unsere Wahrheit wandelt. Wahrheit hört so auf, zu sein was wahr »ist«, und wird das, was als wahr – bewährt werden will.«

Franz Rosenzweig, Das neue Denken,  S.117

Than Clark

WCW Gallery presents:
http://www.wcw-gallery.com/

“Vengeance … Oh Libya!”
Part 1

April 10th until April 30th 2014.
Opening April 10th, 19 h

Cecelia: Sir! Wake up! Sir! Sir! You are sleeping underneath the oldest lemon tree in the entire estate. Sir! This is strictly forbidden by the order of my fathers father and is written in stone in the city hall of Lampadusa. Sir! Sir! You must wake up. If the guards pass you, you will be arrested. Sir?

He is very beautiful. And very dark. Is he in uniform? He must have been asleep in the sun for ages. Very Dark. And Serene. And very handsome. Elegant.

The Guards will pass …

Sir, Sir, Sir, Sir!!! Sir! YOU MUST WAKE UP …
He is cold. Dark and Cold. Like a fish.

Verena Issel

Verena Issel, “Trophy Delight”
Eröffnung Do. 20. Februar 18.00 Uhr
21. Februar bis 29. März

– Was hat er gesagt?
– Er hat bis jetzt noch gar nichts gesagt.
– Er war lange unterwegs, wahrscheinlich ist er erschöpft.
– Wer weiß, vielleicht hört er auch nur zu … Walker, hallo, Walker.
– Vielleicht redet er und wir hören ihn nicht.
– Du siehst doch, dass seine Lippen sich nicht bewegen.
– Vielleicht sendet er auf irgendeiner Frequenz?
– Ach hör’ doch auf mit deinen blöden Frequenzen.
– Hier ist Delta Fox X-Ray, kannst du mich verstehen? Delta Fox X-Ray, bitte melden, kann mich jemand hören? Kannst du mich hören, Walker?
(später, es werden Bilder gezeigt)
– Erinnert ihr euch an das?!
– Über-übermorgen-Land! (vermutlich New York)
– Erinnert ihr euch an das?!
– Der Fluss des Lichts! (eine Autobahn)
– Erinnert ihr euch an das?!
– Himmelsflieger!
– Wisst ihr, wer das ist?
– Captain Walker!
– Und wer ist das?
– Mrs Walker!

(Mad Max II)


Fotos: Fred Dott

Wir danken www.aufderlichtung.de für die Hilfe bei der Filmerstellung

GuðnÝ GuðmundsdÓttir und Claus Becker

Back to Nature Boys

Eröffnung: Donnerstag, 5. Dezember, 18 Uhr
6. Dezember 2013 bis 18. Januar 2014

Brunnen, Turm, Mühle, Uhr, Glocke. Der Bohrer der vierten Elbtunnelröhre frisst sich in die Tiefe. An den Wänden des Brunnenschachts stilisierte Figuren, Kristalle und mineralische Adern.

Am Eingang zum Schacht sitzt ein Bauchredner mit seiner Puppe, diese ist kein Roboter, wohl aber das Automatenweibchen aus den Lüften, ihr Körper ist konstruiert aus dem Gerüst eines Hochspannungsmastes, es könnte auch ein Förderturm sein, und sie ist turmhoch. Der Bauchredner führt Selbstgespräche, er denkt über Junggesellenmaschinen nach, während die Roboterdame davon unbeeindruckt die Welt mit ihrem Prismenauge vermisst.

Diese Ausstellung zeigt einander widerstreitende Ansätze zu Zeichnen, die gleichwohl über eine Vielzahl von motivischen Brücken miteinander verschraubt sind. Schwebend, glashart, kristallin und umgeben von technischer Kühle die eine Position, versponnen träumend die andere.

Axel Loytved

Axel Loytved
OLD CONTEMPORARIES
Eröffnung Freitag 25. Oktober, 18 Uhr
26. Oktober – 24. November


Lapidar ist die Arbeitsweise von Axel Loytved. So wie man einen Stein (Lapis) in einen Teich wirft:
Eine knappe Bewegung aus der Schulter, ein kurzes Platschen, ringförmige Wellen, der Stein ist versunken.
Man kann jetzt einen neuen Stein aufnehmen oder es bleiben lassen.

Axel Loytved nimmt stets neue andere Steine auf. Er schleudert Altpapier im Waschsalon, verwandelt Verpackungsmaterial in Bronzen, druckt mit einer gefüllten Pappschale Pommes einen Grafikzyklus, während er auf die Altpapierwäsche wartet, zerschneidet Teppich und formt Schneematschbrocken ab.

Bei all diesen Beschäftigungen spielt das spontane Auffinden der Bestandteile eine wesentliche Rolle. Axel Loytved folgt nicht einer vorher ausgedachten Konzeption, die über Recherche und Erkenntnisverlangen zu einem Ergebnis geführt wird, sondern er vertraut dem Eigengewicht der Dinge, der jeder Sache potentiell innewohnenden Nutzlast an Bedeutung, die er über geschickte Kombinatorik zu einem Sinn zusammenschließt, den man nicht im Voraus prognostizieren kann.
So eine lapidare Verfahrensweise muss man aushalten können. Man muss ertragen, dass sich vielversprechende Konstellationen in Dunst auflösen oder optisch attraktive Gebilde jedem sprachlichen Zugriff widerstehen, dass überhaupt schwer zu steuern ist, was passiert, und vor allem, dass sich Prozesse nicht wiederholen lassen – auch dann nicht, wenn man die gleichen Bedingungen zugrunde legt.

“Die Welt ist alles, was der Fall ist” schrieb Wittgenstein und man kann ergänzen: Blöd rumsuchen kann jeder – Finden, das ist es!

GudjÓnsdÓttir Anna

Súld

Anna Gudjónsdóttir und Alexander Rischer
6. September bis 12. Oktober 2013
Eröffnung 5. September 18 Uhr

An der Empore der Kirche in Meldeby hat S. Hinrichsen einen Bilderzyklus von der Erschaffung der Welt nebst Paradiesleben, Sündenfall und Co. angebracht, den Alexander Rischer fotografierte. Dabei steht das Bild der Genesis skandalöserweise auf dem Kopf, der Tag befindet sich also im unteren Bildteil. War der Maler Mitglied der “Schwarzen Schule”? Oder hat er sich die Trennung des grauen Urbrodems in Licht und Dunkelheit wie eine Morgenröte vorgestellt, die strahlend aufsteigt und die Nacht verdrängt?

Die Malerei von Anna Gudjónsdóttir kann man zeitlich kurz vor dem Augenblick dieser Entmischung der Elemente ansiedeln. Wirbelnd brausen Strudel grauer Massen durcheinander, in wild geschmeidigem Aufruhr, wie als seien sie einer Teilung von Licht und Dunkelheit jederzeit gewärtig.
Oder sind es doch eher Nebelschwaden? Zeigt diese Malerei jene Schemen, die ein übers Moor hastendes Kind sieht?
“Wenn es wimmelt vom Heiderauche / Sich wie Phantome die Dünste drehn / Und die Ranke häkelt am Strauche … Wenn das Röhricht knistert im Hauche …” In diesem Gedicht lässt Annette von Droste-Hülshoff (1842) einen Knaben übers Moor rennen. Schaurige Geister: der gespenstische Gräberknecht, die unselige Spinnerin, der diebische Fiedler Knauf, der den Hochzeitsteller gestohlen hat, und nicht zu vergessen die verdammte Margret sind ihm auf den Fersen. Er hat aber einen Schutzengel und erreicht festen Boden, es geht besser aus als beim Erlkönig, der sich das Kind bekanntlich gewaltsam holt in sein Nebelreich, von dem der reitende Vater freilich nichts wissen will, bis er grausend die mögliche Existenz von etwas derartigem realisieren muss.
Und was verbirgt sich in den spiegelnd lackierten roten Leinwänden? Sind es blutige Teiche? Gewebeproben? Oder ist es Lava? Wohnt hier ein weiterer Geist, ein weiteres Mitglied der “schwarzen Schule”? Ist dies etwa das Innere des Wals, in dem Jona den Sturm überlebte? Auf der Fotografie von Alexander Rischer, die Jona zeigt, hat der Wal eher das Format eines Mumienschlafsacks, in dem Jona aus dem Walmaul schauend auffällig unaufgeregt sein Abendgebet zu sprechen scheint.
In dieser Ausstellung mit Fotografien und Malereien liegen unzählige Fährten, über welche die Arbeiten der zwei Künstler miteinander verbunden sind. Als magisches Tertium der Ausstellung fungiert eine Zwei-Ton-Orgel: pro Künstler je eine Pfeife.

Anna Gudjónsdóttir, Alexander Rischer

Malerei und Fotografie
6. September bis 12. Oktober 2013
Eröffnung: 5. September, 18 Uhr

An der Empore der Kirche in Meldeby hat S?nnich Hinrichsen einen Bilderzyklus von der Erschaffung der Welt nebst Paradiesleben, Sündenfall und Co. angebracht, den Alexander Rischer fotografierte. Dabei steht das Bild der Genesis skandalöserweise auf dem Kopf, der Tag befindet sich also im unteren Bildteil. War der Maler Mitglied der “Schwarzen Schule”? Oder hat er sich die Trennung des grauen Urbrodems in Licht und Dunkelheit wie eine Morgenr?te vorgestellt, die strahlend aufsteigt und die Nacht verdr?ngt?

Die Malerei von Anna Gudj?nsd?ttir kann man zeitlich kurz vor dem Augenblick dieser Entmischung der Elemente ansiedeln. Wirbelnd brausen Strudel grauer Massen durcheinander, in wild geschmeidigem Aufruhr, wie als seien sie einer Teilung von Licht und Dunkelheit jederzeit gewärtig.
Oder sind es doch eher Nebelschwaden? Zeigt diese Malerei jene Schemen, die ein übers Moor hastendes Kind sieht? “Wenn es wimmelt vom Heiderauche / Sich wie Phantome die Dünste drehn / Und die Ranke h?kelt am Strauche … Wenn das Röhricht knistert im Hauche …? In diesem Gedicht lässt Annette von Droste-H?lshoff (1842) einen Knaben ?bers Moor rennen. Schaurige Geister: der gespenstische Gräberknecht, die unselige Spinnerin, der diebische Fiedler Knauf, der den Hochzeitsteller gestohlen hat, und nicht zu vergessen die verdammte Margret sind ihm auf den Fersen. Er hat aber einen Schutzengel und erreicht festen Boden, es geht besser aus als beim Erlk?nig, der sich das Kind bekanntlich gewaltsam holt in sein Nebelreich, von dem der reitende Vater freilich nichts wissen will, bis er grausend die mögliche Existenz von etwas derartigem realisieren muss.
Und was verbirgt sich in den spiegelnd lackierten roten Leinw?nden? Sind es blutige Teiche? Gewebeproben? Oder ist es Lava? Wohnt hier ein weiterer Geist, ein weiteres Mitglied der schwarzen Schule? Ist dies etwa das Innere des Wals, in dem Jona den Sturm ?berlebte. Auf der Fotografie von Alexander Rischer, die Jona zeigt, hat der Wal eher das Format eines Mumienschlafsacks, in dem Jona aus dem Walmaul schauend auffällig unaufgeregt sein Abendgebet zu sprechen scheint.
In dieser Ausstellung mit Fotografien und Malereien liegen unzählige Fährten, über welche die Arbeiten der zwei Künstler miteinander verbunden sind. Als magisches Tertium der Ausstellung fungiert eine Zwei-Ton-Orgel: pro Künstler je eine Pfeife.

 

 

Stefan Panhans

The Long Goodbye
(Pre-Afterwork-Ok-Clubset)

Eröffnung: 7. Juni 2013 um 17 Uhr
Ausstellung: 8. Juni – 13. Juli 2013

Außerdem:
Videoinstallation im öffentlichen Raum
STEFAN PANHANS
The Long Goodbye (Pre-Afterwork-Ok-Clubset) Casino
1. Juli – 30. Oktober 2013
Steintorplatz
(Hauptbahnhof U-Bahn Ausgang Steindamm)


Die Ausstellung von Stefan Panhans ist zugleich das Set für seine neue Videoarbeit. Der Galerieraum wird Kulisse und Produktionsort eines Entwicklungsprozesses, von dem die Besucher zur Eröffnung einen bestimmten Zustand zu sehen bekommen.
Eine Installation, deren Potenzial sich in die Zukunft öffnet als Versprechen, das hier etwas passieren wird, was man zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen kann. Spekulationen sind erwünscht, nur so viel sei verraten: Das Video, welches hier gedreht wird, wird Teil einer Arbeit im öffentlichen Raum.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in einem Architektur gewordenen “Possible Video Set”,
(“Items for Possible Video Sets” lautet der Titel einer offenen Fotoserie von Stefan Panhans s. u.).

Dank allen Mitstreitern!
Eva Charlotte, Daniel Flieger, Martin Freiling, Lisa Marie Janke, Silja von Kriegstein, Corinna Kropiunig, Swanhild Kruckelmann, Aendi Kudszus, Neele Maak, Carlos Martinez Paz, Sophie von Redecker, Michael Schnizler, Lilly Thalgott (Kamera), Andrea Winkler, Eike Zuleeg (Licht)

*

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“Items For Possible Videosets” seit 2009 (Work in Progress)
Light Jet Prints, 30 x 45 – 60 x 90 cm

Fletcher David und Logan Simon

 

Eröffnung Freitag 19. April
Laufzeit 20. April – 25. Mai

William James entwickelte 1902 in seinem Buch The Varieties of Religious Experience ein Modell des “gespaltenen Selbst”, welches nur durch eine Art Wiedergeburt zu einer Ganzheit finden kann. Legt man dieses Modell zugrunde, hätte die Kunst von David Fletcher bereits die Schwelle zu dieser Ganzheit erreicht, während die Arbeiten von Simon Logan noch auf ihre Wiedergeburt warten. Sprich, Fletchers Malereien sind harmonisch, vollklingend und von ruhigem Dunkel, während die Zeichnungen und Skulpturen Logans auf diesen Zustand wohl abzielen, aber stets Gefahr laufen, mit einem Missklang in einen gähnenden Abgrund zu stürzen.

In his book The Varieties of Religious Experience (1902) the psychologist and philosopher William James constructs the idea of the “divided self” (the term was coined by James). He explains its meaning as part of a varied world of human experience. Some people only need to be born once, and live lives of inner harmony, they do not have to wrestle with their own demons, and the rewards of life are immediate and permanent. The rest of us are in conflict with ourselves, and need a second birth in order to achieve a more settled inner life. This need not be a birth into religious faith, it is simply a resolution of conflicting instincts, of the division in the self. This resolution gives rise to a united picture of oneself and the world, albeit one where the shaping memory of inner turmoil is never lost.

Through James’ model of division and twice-born resolution it seems possible to describe a relationship between Simon Logan and David Fletcher’s work.

Both artists allow the conflated influence of their our own daily lives, memories, and a broad reading of art history to shape their artworks. They both allow internal and external worlds to fuse or conflict with each other in the genesis of their work. But a kind of harmony, rich, dark and resonant seems to hang around David Fletcher’s paintings, a harmony that Logan’s work seems to aim at, whilst remaining divided in artful discord.

Unstuck in time, but rooted in their own striking definition, David Fletcher’s paintings turn the conflicts of desire, daily experience, memory and knowledge into grounded and compelling expressions. Frank O’Hara’s 50s New York fed through a thousand reproductions of posters of the jazz age, confessed and willed into a newly sharpened grand vision, or watering cans that seem inhabited by the ghost of de Chirico, dark gardens and a stark arm holding one of the cans, images that shine out in high contrast from a space halfway between Los Angeles and an MR James ghost story. Artworks twice born in their making, Fletcher’s paintings are reconciled in their enigmatic calm.

In Logan’s work there are often bright colours, the spectrum being a recurring motif, and skilfully rendered improvised drawings or model-like sculptures, alongside far more scratchy and provisional works. Like Fletcher, Logan draws on a diverse range of imagery, invented and recalled. Yet unlike Fletcher, the precipice of uncertain public and private worlds, the abstract, the descriptive and the cryptic are all still at war with each other “spherical heads that provoke a kind of surrealist clich” whilst showing a singularly personal imagery, small sculptures sometimes clumsy, sometimes overwrought, heads, houses, wings, boats, collisions of half memories, improvisation and flawed expression. Logan’s work still waits to be born again.

David Fletcher will show new paintings, Simon Logan will show new drawings and sculpture.

Text: Gethin Price

Paul Sochacki

Le Monde diplomatique
Paul Sochacki
special guest Elke Marhöfer

Eröffnung: Freitag, 22. März 2013, 17 Uhr
Performance “Dong of Sevotions”
mit Alice Peragine und Fion Pellacini, ab 19 Uhr
Laufzeit: Samstag, 23. März – 13. April 2013

Paul Sochacki hatte sich schon vor zwei Jahren ausbedungen, mit mindestens 40 Künstlerinnen zusammen auszustellen. Nun, Ausstellungsplanungen nehmen zuverlässig andere Entwicklungen. Ein anderer Plan war, die Anzeigenkampagne »Formal Abstraction Of the Body« in die Tat umzusetzen. Dabei erhält der Kunde von Paul Sochacki eine Urkunde, welche zertifiziert, dass der Galerist mit dem Kunden Sex hatte. Hierfür wiederum waren die Betreiber der Galerie Dorothea Schlueter nicht zu erwärmen. Sie merken schon, die Branche ist voller äußerst komplizierter Konstellationen.
Sochacki lernte Elke Marhöfer beim feministischen Fußballtreff kennen. Sie war eine Torjägerin die Ihresgleichen lange suchen müsste und beeindruckte Sochacki mit ihrem diskreten filmischen Blick für den gewissen Anteil der Anteilslosen.

Wir freuen uns sehr, dass Elke Marhöfer Filme zeigt (Bauern! (Farmers!), 2007 / Quantum Fractology, 2013 / Nobody knows, when it was made and why, 2012) und Paul Sochacki seine Menagerie mitbringt, d. h. Giraffen und Elefanten auf Leinwand.

Eine Ausstellungskritik in Frieze/de, geschrieben von Jens Asthoff, ist unter folgendem Link zu lesen: Paul Sochacki, Frieze-Magazin

Dong of Sevotions from dorothea schlueter, galerie on Vimeo.

Heiko Neumeister

Heiko Neumeister und John Smith
»Großzügige Sachzuwendung«
Eröffnung 15. Februar, 17 Uhr
16. Februar – 16. März 2013

In der Ausstellung »Großzügige Sachzuwendung« zeigen der Hamburger Fotograf Heiko Neumeister und der britische Filmemacher John Smith eine Auswahl von bewegten und stehenden Bildern.

Beider Vorliebe für den Alltag ermöglicht eine freundlich groteske, ja beinah humoristische Perspektive auf die lapidare Schwere des Krams, der uns fortwährend umgibt. Der tiefe Ernst, mit dem Hotelflure und Sperrmüllhaufen einem Close Reading unterzogen werden, führt hier also nicht zu einer immer präziseren Beschreibung, welche es einem schließlich ermöglichen würde, Tatsachen begrifflich festzunageln, sondern weitet sich zu einer traumwandlerischen Ideen- flucht, deren Logik sprunghaft aufleuchtet, kurz vorm Abdrehen in Metaphysik oder Weltpolitik aber immer wieder im Ausgangsmaterial gestoppt wird, wie in einem Kiesbett.

Wir danken der Firma Vorwerk für den Teppichboden und dem Labor Andreas Doria, außerdem Martin Wellermann für seine farbverbindlichen Fotoabzüge und Rainer Korsen für die Monitore. Ganz besonders bedanken wir uns bei Volko Kamensky für die umsichtige inhaltliche Konzeption und die Einrichtung der Ausstellung.

Videos: courtesy of the artist and Tanya Leighton Gallery, Berlin

Michael Deistler

Malerei

Eröffnung, Freitag, 25. Januar, 17 Uhr
Laufzeit, Samstag, 26. Januar – 9. Februar 2013

„Da waren sie wieder, diese undeutlichen, dunklen Muster, die miteinander verschwammen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis Draper die Nerven verlieren würde. Seine Arbeit auf der Station dauerte nun schon ein halbes Jahrhundert und er konnte sich nicht entsinnen, jemals solche Strukturen gesehen zu haben, sie erinnerten entfernt an Satellitenbilder vom Dschungel. Er korrigierte die Parameter erneut. Solche Entscheidungen hatten ihn in der Vergangenheit schon mehrfach an den Rand einer Katastrophe geführt, aber es gab keinen anderen Weg.“
(William Grey, The Sapphire Fount Trilogy)

In seiner zweiten Einzelausstellung in der Galerie Dorothea Schlueter zeigt Michael Deistler über zwanzig Malereien: hochformatig, mittelgroß und abstrakt.

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Weitere Ausstellungen von Michael Deistler …

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Michael Deistler
Zeichnungen
30. September – 30. Oktober 2010
Kugelschreiber auf Karton, 68 x 48 cm

Nicole Messenlehner

I LOVE JEAN

Eröffnung: 7. Dezember 17 Uhr
Laufzeit: 8. Dezember 2012 – 19. Januar 2013


Nicole Messenlehner verlegt die Gefängnisszenen des berüchtigten Films „Un Chant d’Amour“ von Jean Genet in die Galerie. Die Galerie ist in zwei ungleiche Räume geteilt, den hinteren Bereich kann man nur durch Löcher in der Wand einsehen. Die Schauspieler fehlen. Was bleibt ist das formal-ästhetische einer Galerie, gegeben durch den dort waltenden Organisationszwang. Hier, also im Büro, präsentiert Nicole Messenlehner als Ensemble die erste Ausgabe des Magazins Kultur & Gespenster zu Hubert Fichte, ergänzt um das Interview Fichte / Genet von 1975 in deutscher Fassung.

Im Film auf den sich Messenlehner bezieht, sieht man einen erwachsenen Mann, der in törichtem Verlangen, Kontakt zu einem Jungen in der Nachbarzelle sucht. Das höchste der Gefühle in diesem Liebesdrama ist eine von beiden geteilte Zigarette, mittels eines, durch die dicke Gefängnismauer gefummelten, Strohhalms. Beide werden dabei von einem so sadistisch wie eifersüchtigen Gefängniswärter beobachtet.

Jean Genet war kein Freund von Parabeln, Gleichnissen oder anderem moralisch erbaulichem Zeug, eher im Gegenteil. Die von ihm gezeigte Brutalität oder Obszönität, meint exakt diese. Errettungs- oder Erlösungsszenarien waren ihm fremd.

Nicole Messenlehner, selbst wenig zimperlich in der Auseinandersetzung mit Scheußlichkeiten, paraphrasiert hier eine künstlerische Haltung, die noch nie sonderlich erfolgreich im Sinne eines kreischenden Entzückens seitens des Establishments war, dafür aber um so dramatischer in den wahnhaften Phantasien aller Künstlerkollegen und Kulturfuzzis verankert ist.

Jean Genet (1910 – 1986), prominenter französischer Schriftsteller, Vagabund, Strichjunge und Dieb, verbrachte den Großteil seiner Jugend im Gefängnis. Er schrieb Romane, Theaterstücke, Gedichte und Essays. In seinen Werken beschreibt er eine Unterwelt von männlichen Prostituierten, Zuhältern, Sträflingen und Ausgegrenzten. Der Film „Un chant d’amour“ (1950), konnte aufgrund seiner pornographischen Darstellungen nicht gezeigt werden. Erst 1964 gab es die erste öffentliche Aufführung in New York, woraufhin der Veranstalter Jonas Mekas von der Polizei zusammengeschlagen und inhaftiert wurde. Im Verlauf der Jahre wurde der Film zunehmend als Meisterwerk gepriesen, während Genet ihn hasste.

Link zum Film von Jean Genet: http://www.ubu.com/film/genet.html

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zu weiteren Ausstellungen von Nicole Messenlehner …

David Fletcher

David Fletcher und Simon Logan

Eröffnung Freitag 19. April
Laufzeit 20. April – 25. Mai

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William James entwickelte 1902 in seinem Buch The Varieties of Religious Experience ein Modell des „gespaltenen Selbst“, welches nur durch eine Art Wiedergeburt zu einer Ganzheit finden kann. Legt man dieses Modell zugrunde, hätte die Kunst von David Fletcher bereits die Schwelle zu dieser Ganzheit erreicht, während die Arbeiten von Simon Logan noch auf ihre Wiedergeburt warten. Sprich, Fletchers Malereien sind harmonisch, vollklingend und von ruhigem Dunkel, während die Zeichnungen und Skulpturen Logans auf diesen Zustand wohl abzielen, aber stets Gefahr laufen, mit einem Missklang in einen gähnenden Abgrund zu stürzen.

In his book The Varieties of Religious Experience (1902) the psychologist and philosopher William James constructs the idea of the ‘divided self’ (the term was coined by James). He explains its meaning as part of a varied world of human experience. Some people only need to be born once, and live lives of inner harmony, they do not have to wrestle with their own demons, and the rewards of life are immediate and permanent. The rest of us are in conflict with ourselves, and need a second birth in order to achieve a more settled inner life. This need not be a birth into religious faith, it is simply a resolution of conflicting instincts, of the division in the self. This resolution gives rise to a united picture of oneself and the world, albeit one where the shaping memory of inner turmoil is never lost.

Through James’ model of division and twice-born resolution it seems possible to describe a relationship between Simon Logan and David Fletcher’s work.

Both artists allow the conflated influence of their our own daily lives, memories, and a broad reading of art history to shape their artworks. They both allow internal and external worlds to fuse or conflict with each other in the genesis of their work. But a kind of harmony, rich, dark and resonant seems to hang around David Fletcher’s paintings, a harmony that Logan’s work seems to aim at, whilst remaining divided in artful discord.

Unstuck in time, but rooted in their own striking definition, David Fletcher’s paintings turn the conflicts of desire, daily experience, memory and knowledge into grounded and compelling expressions – Frank O’Hara’s ’50s New York fed through a thousand reproductions of posters of the jazz age, confessed and willed into a newly sharpened grand vision, or watering cans that seem inhabited by the ghost of de Chirico, dark gardens and a stark arm holding one of the cans, images that shine out in high contrast from a space halfway between Los Angeles and an MR James ghost story. Artworks twice born in their making, Fletcher’s paintings are reconciled in their enigmatic calm.

In Logan’s work there are often bright colours, the spectrum being a recurring motif, and skilfully rendered improvised drawings or model-like sculptures, alongside far more scratchy and provisional works. Like Fletcher, Logan draws on a diverse range of imagery, invented and recalled. Yet unlike Fletcher, the precipice of uncertain public and private worlds, the abstract, the descriptive and the cryptic are all still at war with each other – spherical heads that provoke a kind of surrealist cliché whilst showing a singularly personal imagery, small sculptures sometimes clumsy, sometimes overwrought, heads, houses, wings, boats, collisions of half memories, improvisation and flawed expression. Logan’s work still waits to be born again.

David Fletcher will show new paintings, Simon Logan will show new drawings and sculpture.

(images: Simon Logan, Head 1, 2013, David Fletcher, Watering Can, 2013)
Text: Gethin Price

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Weitere Ausstellungen von David Fletcher

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David Fletcher
Paintings from Balfron Tower

Eröffnung 9.November 19 Uhr
Laufzeit: 10.11. – 15.12.2012

Dorothea Schlueter ist die Galerie
Isa Maschewski ist die Gastgeberin
Gernot Faber ist der Galerist

Nach seinem Kunststudium am Royal College zog David Fletcher in eine Atelierwohnung im »Balfron Tower« im Osten Londons, einem riesigen Betonblock, gebaut Mitte der 60er Jahre im Stile des Brutalismus, der in seiner majestätischen Erscheinung weithin sichtbar, die unmittelbare Umgebung beherrscht und nicht ohne Grund Kulisse zahlreicher Zombiefilme ist.
Dieser Turm ist eine spektakuläre Angelegenheit: Das innere und äußere dieses Hauses, in dem die Bevölkerung einer Kleinstadt lebt, sowie die Aussicht die man von dort genießt.

Die Bilder die David Fletcher dort malt zeigen folgende Szenen:

Ein Kampfhund zerrt geifernd an der Leine, seine Schnauze glänzt.
In der U-Bahn sitzen zwei Menschen im orangen Licht der Stationsbeleuchtung.
Ein Mann liegt nackt auf einem Bett, seinen rechten Fuß hoch an die Wand gestützt.
Ein Pärchen umarmt sich auf der Tanzfläche einer Diskothek.
Ein dunkler Vorgarten, im Hintergrund leuchtet die „Gurke“ der Büroturm von Lord Norman Foster in dem eine Schweizer Rückversicherung sitzt.
Zwei Vasen sowie zwei Sorten Reinigungsmittel.

Die unterschiedlichen Motive entstehen aus einem Verfahren gleichschwebender Aufmerksamkeit. Freud erklärte diese Technik folgendermaßen „Man halte alle bewußten Einwirkungen von seiner Merkfähigkeit ferne und überlasse sich völlig seinem ‘unbewußten Gedächtnisse’, oder rein technisch ausgedrückt: Man höre zu und kümmere sich nicht darum, ob man sich etwas merke.“
Erst das fertige Bild bietet Interpretationsmöglichkeiten, aber gegenüber den Entscheidungen für bestimmte Sujets versucht David Fletcher neutral zu bleiben.
Deshalb also sind die Motive so unterschiedlich, was nicht heißt dass sie nichts miteinander zu tun hätten.

 

Alexander Rischer

MÄRCHEN (Kultur & Gespenster Heft, Nr. 12)
304 Seiten, 230 x 270 mm
Softcover
zahllose Abbildungen
Text in Deutsch
Textem Verlag 2011
ISBN 9978-3-938801-87-1
12 Euro

Kultur & Gespenster Nr. 12 »Märchen«

Die 12. Ausgabe des Magazins Kultur & Gespenster ist fast ein bisschen zu schön geworden und widmet sich ausschließlich der Märchensammlung von Karl Müllenhoff, welche er 1845 veröffentlichte.

Kultur & Gespenster bringt einen Teil der Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, ergänzt um ein Gespräch zwischen dem Mediävisten und Literaturwissenschaftler Hartmut Freytag und dem Künstler Alexander Rischer, welcher im Herbst vergangenen Jahres etliche Fahrradtouren durchs Holsteinische unternahm, um die Originalschauplätze der Märchen für dieses Heft zu fotografieren.

Wunderbarerweise waren fast alle Orte zu finden: Heidnische Kultstätten, Quellen, Bäume, Kirchen, Glocken, Plätze für Mirakel und Rechtshändel, auch versunkene Orte und solche, an denen der Teufel den Übermut strafte. Gespenster, Irrlichter, Zauberer, Werwölfe, Teufelspferde, Drachen, Zwerge und weiße Frauen gehörten zum Alltag. Nicht zu sprechen von den Seuchen, Vorzeichen und Weissagungen, den versunkenen Schlössern, Grabhügeln, schlafenden Helden und Heeren, verhängnisvollen Bäumen und natürlich den überall vergrabenen Schätzen.

 

 

 

 

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